Arbeit

Europa geht die Arbeit aus. Wir haben einen Lebensstatus erreicht, der es immer öfter schwerfallen lässt sich vorzustellen was noch fehlen könnte. Vielmehr werden die meisten Bedürfnisse überbefriedigt. Daher stellt sich zu recht die Frage: Was gibt es noch zu tun? Was muss noch produziert werden? Alles was zum Leben notwendig ist, ist im Übermaß vorhanden, und vom nicht notwendigen noch viel mehr.

Die klassische Lohnarbeit jedenfalls, die 40 Stunden Woche, ist ein Modell von gestern. Ein Modell für eine Zeit des Aufbaus, wo Arbeit im Überfluss vorhanden, und Arbeitskraft ein Mangel ist. Das Gegenteil ist jedoch Heute der Fall.
Politiker und Gewerkschafter der alten Generation führen noch einen verzweifelten Kampf gegen die neue Wirklichkeit. Firmen die Produkte erzeugen, welche wohl am Ende ihrer Geschichte stehen (Automobilindustrie) werden noch künstlich am Leben erhalten, um Arbeitsplätze zu sichern. Menschen werden in staatlichen Beschäftigungstherapien geparkt (AMS, Beamtentum), weil davon ausgegangen wird, das die Leute nicht dazu fähig sind selbst etwas produktives mit ihrer Zeit anzufangen.

Wer nicht arbeitet …

Arbeitslosigkeit wird immernoch als Stigma gesehen. Dabei ist (Lohn-)arbeiteslosigkeit, doch die höchste zivilisatorische Errungenschaft. Je primitiver die Gesellschaft, desto mehr Personen müssen in den Arbeitsprozess eingegliedert werden um die Grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen. Je reicher und fortschrittlicher eine Gesellschaft, desto mehr Arbeitslose kann sie sich leisten. Je mehr man es schafft sich von der ‘niederen’ Arbeit zu befreien, desto mehr ist es möglich das Leben ‘höheren’ Tätigkeiten zu widmen. Das kann man schon bei Aristoteles nachlesen.

Was gibt es noch zu tun?

Anstelle uns in mehr oder weniger sinnlosen Tätigkeiten aufzuhalten, gäbe es doch weitaus sinnvollere und interessantere Tätigkeiten. Leider setzen die westeuropäischen Länder gerade in diesen Zeiten völlig falsche Signale. Forschung, die Künste, all jenes was als alternative zur klassischen Arbeit stehen könnte wird systematisch rationalisiert und auf einen Arbeitsmarkt hingetrimmt der garnichtmehr existiert. Wenn man Bildung auf Ausbildung reduziert, wird das den Partizipienten vielleicht einen Startvorteil im Rennen um die letzten verbleibenden ‘echten’ Jobs geben, aber einer zukunftsträchtigen Lebensgestaltungsmöglichkeit eher konträr entgegenwirken.

Was kann aus einem ‘arbeitslosen’ Europa werden? Es gibt Betätigungsfelder in denen die Arbeit wohl nie ausgehen wird. Und das sind all jene in denen es nicht um die Verarbeitung von realen Resourcen (diese sind nämlich beschränkt) und die Befriedigung von natürlichen (diese sind ebenso beschränkt) und künstlichen (diese lassen sich zwar scheinbar endlos erweitern, sind aber im Endeffekt wertlos) Bedürfnissen geht. Forschung und Wissensschaft, Kunst, gesellschaftliche Entwicklung. Überall hier könnten wir weit größere Fortschritte machen, wenn wir ihnen die Wertschätzung entgegenbringen welche sie verdienen. Und zwar ist was gewöhnlich als Arbeit angesehen wird, dazu da die Vorraussetzungen für Geistige und Gesellschaftliche Weiterentwicklung zu schaffen und zu erhalten, und nicht, wie dezeit weitgehend praktiziert, umgekehrt.

Was steht also der schönen neuen Welt der Muße entgegen?

Politiker und Gewerkschafter aus der ‘Goldenen Generation’ halten noch an ihren alten Denkschemata fest. Das Die Welt sich heute schneller ändert als sich die Generationen in die Chefetagen vorarbeiten können, ist die Grundlage jedes Generationenkonflikts.
Einfach die Chefs auszutauschen wird kurzfristig zwar eine Erleichterung bringen, führt aber in ein paar Jahren in das selbe Dilemma. Vielmehr besteht die Herausforderung darin neue Werkzeuge zu finden, welche antworten liefern können, zu welchen die alten (Nationalstaaten, politische Parteien, Gewerkschaften, multinationale Konzerne, etc.) nichtmehr fähig sind.

One Comment

  1. Posted June 3, 2010 at 20:11 | Permalink

    sehr gut geschrieben und überlegt! kann ich das meiste 1 zu 1 so unterschreiben… :)

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