A nation that makes a great distinction between its scholars and its warriors will have its laws made by cowards and its wars fought by fools.
– Thucydides
Wehrpflichtgengner Argumentieren neben der alles diktierenden Kostenfrage vor allem mit Schlagwörtern wie Effizienz, Professionalität, ‘Zeitgemässheit’. Die Argumentation greift aber ziemlich kurz, da viele Fragen, etwa nach der gesellschaftlichen Kontrollierbarkeit und die Bedeutung für die innere Sicherheit ausgespart bleiben.
Zusätzlich hat das Heer neben seinen offiziellen Aufgaben auch einen sozialen Faktor, der nicht zu unterschätzen ist. Wärend man sich Schule, Beruf und Freundeskreis mehr oder weniger aussuchen kann bzw. diese aus dem sozialen Hintergrund gegeben sind, müssen zum Heer alle die dazu fähig sind. Diese nunmehr 6 Monate sind daher einer der seltenen Zeiten im Leben wo viele wirklich intensiven Kontakt und gemeinsame, teilweise prägende Erfahrungen mit Menschen unterschiedlichster Gesellschaftsschichten haben. Idealerweise sollte das Heer auch so was wie weine Charakterschule sein, das hier oft Versäumnisse auftretten soll nicht verleugnet werden. Auch, das Grundwehrdiener oft gefüht oder real unnütze und langweilige Arbeiten durchzuführen haben, und ein großteil der Zeit beim Bundesheer oft als vergeudetet angesehen wird. Aber genau hier, und nicht bei einer Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, sollte angesetzt werden.
Denn ein Berufsheer hat im Vergleich zu einer Volksarmee für eine Gesellschaft schwerwiegende Auswirkungen, welche in der aktuellen Debatte nichtmal ansatzweise diskutiert werden. Ein aktuelles Beispiel dazu ist Ägypten, wo das Militär vor allem durch Zurückhaltung aufgefallen ist. Ägyptens Heer besteht vor allem aus jungen Grundwehrdienern, die nicht sehr viel von den Leuten auf der Straße trennt. Ein professioneller Aparat, wie ihn die Ägyptische Polizei darstellt verhält sich in so einer Situation jedoch erwiessenermaßen gänzlich anders.
Eine professionelle Armee kann wie eine professionelle Polizeitruppe nie so einen Querschnitt durch die Bevölkerung bilden wie eine Volksarmee. Zu befürchten ist das die meisten freiwilligen schon mit einer gewissen Grundeinstellung den Dienst antreten, und diese Einstellung in den Jahren der Kasernierung noch bestärkt wird. Die Gesellschaft ist da weit weg.
Darum ist ein Berufsheer vermutlich auch effizienter. Die Frage ist, wollen wir diese Effizienz? Effizienz im militärischen bedeutet nach innen und aussen Fähig sein Kriege zu führen. Das erfüllt ein Berufsheer sicher besser. Sicher fällt es einer Freiwilligen Armee leichter in Gefechte zu gehen, als mit Menschen die gezwungen werden. Wieso war die Widerstandsbewegung gegen den Vietnamkrieg so viel intensiver als jene gegen den Irakkrieg, und am Ende erfolgreich? Weil es damals noch die Wehrpflicht in den USA gab, und die jungen Wehrpflichtigen Amerikaner einfach versuchten ihre Haut zu retten. Und genau das ist der historische Irrtum der Anti-Wehrpflichts Bewegung: Wenn gesellschaftliche Verantwortung abgewälzt wird weil niemand den Arsch hinhalten und sich die Hände schmutzig machen will, dann schwindet damit auch die Möglichkeit der gesellschaftlichen Einflussname. Ein Heer wird es so oder so geben. Fragt sich nur ob es ein Heer aus dem Volk sein wird, oder eine hochtrainierte und bewaffnete ‘Parallelgesellschaft’.
